Anspannung entdecken: Der Karate Selbsttest

040 Anspannung entdecken: Der Karate Selbsttest
Rick Hotton demonstrating natural relaxed dropping

Die eigene körperliche Anspannung wahrzunehmen ist nicht leicht. Glücklicherweise ist es möglich zu überprüfen, wie locker der eigenen Körper tatsächlich ist.

Mach mal locker

„Mach locker“, „Entspanne dich“ oder die schlichte Aufforderung „relax“ haben sicherlich viele Karateka schon gehört. Wer hat sich in dieser Situation noch nicht gedacht „ich bin doch schon ganz locker und entspannt“? Oder wer hat umgekehrt, selbst in der Rolle des Trainers, die Trainierenden noch nie zur Entspannung und lockereren Ausführung auffordert. Aber die Aufforderung verpufft augenscheinlich und es ändert sich nichts an der Anspannung der Trainierenden.

Die eigene Wahrnehmung der Anspannung

Offensichtlich kann die Wahrnehmung von Trainer und Trainierenden sehr unterschiedlich sein. Der Trainer erkennt ein zu hohes Maß an Spannung (vgl. Lockerheit im Karate: Der Schlüssel), aber der Trainierende spürt dies nicht. Und ohne die Spannung selbst im eigenen Körper wahrzunehmen, weiß er nicht, wie er die Anweisung umsetzen soll. Bei einer Aufforderung an die Gruppe, also nicht individuell an ihn persönlich, kann es auch sein, dass er glaubt gar nicht betroffen zu sein. Erst wenn eine neue Stufe der Entspannung erreicht wurde offenbart der Blick zurück, die frühere Anspannung im Körper. Es erhärtet sich die eigene Auffassung jetzt ganz locker zu sein. Bis, mit Erreichen der nächste Stufe, die Erkenntnis reift, dass es doch noch etwas entspannter geht. Zum Glück wird es mit Verbesserung der Fähigkeit sich zu entspannen, allmählich leichter ungewollte Spannungen zu spüren und diese los zulassen.

Partnerübung

Diese Partnerübung ist ein guter Indikator um herauszufinden, wie es um die eigenen Fähigkeit sich zu entspannen bestellt ist – konkret bezogen auf die Arme und den Schulterbereich.

Partner A steht in Shizentai und nimmt eine Hand locker ins Hikite. Der andere Arm hängt entspannt herunter. Partner B positioniert sich hinter ihm und legt seine Handflächen von hinten auf dessen Ellenbogen bzw. leicht oberhalb. Partner B gibt nun einen kurzen aber deutlichen Impuls, woraus ein Tsuki von Partner A resultiert. Soweit die formale Beschreibung.

Wie locker bin ich?

Jetzt kommt das Entscheidende: Partner A soll nur seinen Arm für den Tsuki zu Verfügung stellen. Ausführen soll ihn aber Partner B. Das heißt Partner B bewegt seinen Arm nicht aktiv um den Fauststoß auszuführen, sondern entspannt ihn soweit möglich, damit er gerade nicht der Schwerkraft erliegt und die Bewegung in einem Tsuki resultiert.

Ein dritte Person kann helfen zu prüfen, wie gut dies geklappt hat. Wenn ein unnötig hohes Maß an Spannung vorliegt, kann folgendes festgestellt werden: Partner B beschleunigt den Arm, Partner A bremst ihn aber kurz danach ab, um ihn sogleich selbst zu beschleunigen, damit der Tsuki gelingt. Es entsteht also eine kurze, sichtbare Verzögerung der Bewegung. Im idealen Fall resultiert ein direkter und unverzögerter Fauststoß aus dem Impuls von Partner B.

Was sagst du?

Wie ist deine Erfahrung bzgl. der Wahrnehmung körperlicher Anspannung? Kannst du die eingangs beschriebene Situation bestätigen? Hinterlasse unten einen Kommentar mit deiner Sicht.

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